«Die Hochpräzisionsbranche wird die Krise bewältigen»

Interview Alexandre Catton, Direktor der EPHJ

Die ursprünglich auf September 2020 verschobene Ausgabe der EPHJ Fachmesse konnte letztendlich wegen der Gesundheitskrise nicht stattfinden. Wie haben Sie diese Absage erlebt?
Das war ein schwerer Moment, denn ich habe mich in die Lage unserer Aussteller versetzt, die sich auf die EPHJ verlassen hatten, um ihre Geschäfte anzukurbeln und ihre Kunden und die Interessenten wieder zu treffen. Schweren Herzens mussten sie diese Aussicht aufgeben und stellen sich nun auf die Messe 2021 ein.

Und doch hatten Sie allen Widrigkeiten zum Trotz alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die Messe 2020 stattfindet
In der Tat haben wir trotz des vorherrschenden Fatalismus und der gesundheitlichen Zwänge bis zum Schluss dafür gekämpft. Wir wollten solidarisch sein und uns für die Branchen einsetzen, die wir zusammenbringen, auch wenn dies hiess, wirtschaftliche Risiken einzugehen. Mehr als die Hälfte unserer Aussteller wollte, dass die Messe stattfindet, weil die Begegnung mit den Kunden durch nichts zu ersetzen ist, wenn es darum geht, Geschäfte abzuschliessen. Wie jedes Jahr erwarteten viele Aussteller diese Zeit, um ihre Neuerungen vorzustellen. Das Erstarken der Pandemie und die gesundheitspolitischen Massnahmen der Regierung haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Haben Sie den Ausstellern, die ihre Anmeldung für 2020 bestätigt hatten, die Gebühren rückerstattet?
Ja, natürlich. Die für die Ausgabe von September 2020 angemeldeten Unternehmen hatten die Wahl: Sie konnten sich entweder ihre Anmeldegebühren rückerstatten lassen oder die bezahlten Gebühren auf die Messe 2021 übertragen. Eine grosse Mehrheit entschied sich für den Übertrag auf 2021.

Wie haben die Aussteller reagiert?
Trotz ihrer Enttäuschung dankten uns viele dafür, dass wir bis zum Schluss an die Abhaltung der Messe geglaubt haben. Das war eine riskante Wette, aber es hat sich gelohnt. Wir haben mit denjenigen, die Innovationen vorstellen wollten, vereinbart, dass wir unsere Gemeinde von mehr als 35’000 Fachleuten über ihre Neuerungen informieren werden. Und wir haben versprochen, dass wir uns im Juni 2021 in Genf wieder treffen.

Sie haben auch an der Veranstaltung des Grossen Ausstellerpreises 2020 festgehalten
Das ist der beste Weg für die EPHJ, die Innovationen angemessen zu präsentieren. Indem wir die besten unter ihnen über unseren Newsletter und die sozialen Netzwerke mit allen Ausstellern und Besuchern teilen, leisten wir unseren Beitrag, um bei einem breiten Fachpublikum für diese Innovationen zu werben.

Welches Feedback erhalten Sie derzeit aus der Fachwelt und dem Markt für Hochpräzisionstechnik?
Die Meldungen sind durchmischt. Die Uhrmacherei und das Schmuckgewerbe geben sich etwas zuversichtlicher, nachdem sie während der ersten Pandemiewelle einen beträchtlichen Umsatzrückgang erlitten haben. Es gibt einige ermutigende Signale für 2021, die darauf hindeuten, dass die Marken wieder Neuheiten produzieren oder einen Teil ihrer Lagerbestände verkauft haben. Auch Mikrotechnik und Maschinenbau scheinen sich zu erholen, ein Aufschwung im Automobilsektor findet statt, insbesondere bei den Unternehmen, die am Bau von Hybrid- oder Elektromotoren beteiligt sind. Der bis heute am stärksten betroffene Sektor bleibt der Flugzeugbau, während medizinische Technologien weitgehend die einzigen sind, die 2020 Wachstum verzeichnen. In jedem Fall bin ich davon überzeugt, dass die Hochpräzisionsindustrie diese Krise überstehen wird; es gibt so viele Talente auf diesem Gebiet.

Glauben Sie, dass die Messe 2021 regulär stattfinden kann?
Niemand hat in dieser Frage Gewissheiten, es gibt noch zu viele Unbekannte. Aber ich bleibe zuversichtlich und verstehe die Ungeduld der Hochpräzisionsunternehmen, wieder in ihrem Markt zu arbeiten. Sehr gut gefallen hat mir die Aussage eines Unternehmensleiters aus der Branche, der in der Presse eingestand, dass er vielleicht zur alten Schule gehört, aber das Bedürfnis empfindet, Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, um gute Geschäfte zu machen. Er fügte hinzu, dass dies unerlässlich sei, wenn man in kreativen Prozessen arbeitet. Das resümiert perfekt die Einstellung der EPHJ. In unseren Berufen ist der menschliche Kontakt unverzichtbar.

Haben Sie schon eine gewisse Vorstellung von der Teilnahme an der Messe 2021?
Die Lage ist sehr ermutigend trotz des besorgniserregenden Umfelds. Schon jetzt haben wir die Zahl der für September 2020 vorgesehenen Aussteller überschritten. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um alle, die ihre Teilnahme noch nicht bestätigt haben, daran zu erinnern: Versäumen Sie keinenfalls die nächste Ausgabe der EPHJ Fachmesse vom 8. bis 11. Juni 2021 im Genfer Palexpo.

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